Der Anlass
Am 31. August 2026 gegen 17:30 Uhr UTC, also am frühen Abend deutscher Zeit, begannen Störungen bei Exchange Online. Sie weiteten sich auf Microsoft Teams, SharePoint Online, OneDrive for Business, Microsoft Graph, Microsoft Purview, das Microsoft 365 Admin Center, Microsoft 365 Copilot, Universal Print und Microsoft Defender XDR aus. Microsoft führte den Vorfall unter den Kennungen EX1464935 und MO1465074.
Zur Ursache sprach Microsoft zunächst von einem gemeinsamen Fehlermuster bei Anfragen, das mit Authentifizierung und Protokollverbindungen zusammenhängt, später von einer „core authentication configuration used by multiple Microsoft 365 services“: einer zentralen Anmeldekonfiguration, die mehrere Dienste von Microsoft 365 nutzen. Am 2. September lag die Verfügbarkeit nach Microsofts Angaben wieder über 99 Prozent, vollständig behoben meldete Microsoft den Vorfall am 3. September.
In Fachmedien kursierte die These, ein nicht rechtzeitig erneuertes Zertifikat sei die Ursache. Microsoft hat das in den hier ausgewerteten Meldungen nicht bestätigt; wir stützen uns nur auf Microsofts eigene Angaben.
Die Einordnung
Der Ausfall ist kein Beleg dafür, dass Microsoft 365 besonders unzuverlässig wäre, und dieser Beitrag bewertet den Anbieter nicht. Lehrreich ist etwas anderes.
Mehrere Produkte eines Anbieters sind nicht automatisch mehrere Absicherungen. In einer Bestandsaufnahme können Mail, Besprechungen, Dateiablage und Sicherheitswerkzeuge als getrennte Einträge stehen, mit getrennten Verantwortlichen und getrennten Notbehelfen: Fällt die Mail aus, telefoniert man per Besprechungswerkzeug; ist dieses gestört, schreibt man eine Mail. Dieser Ausfall hat gezeigt, dass solche Notbehelfe an derselben Voraussetzung hängen können, an der Anmeldung. Wer diese Voraussetzung nicht als eigenen Eintrag führt, sieht sie in keiner Spalte.
Der Maßstab ist die gleichzeitige Dauer, nicht die einzelne. Die übliche Frage lautet, wie lange ein Unternehmen ohne Mail auskommt. Die Frage, die dieser Vorfall stellt, ist schärfer: wie lange ohne Mail, Besprechungen und gemeinsame Dateien zugleich, und das über mehr als einen Arbeitstag. Die Antwort darauf ist eine andere, und sie entscheidet darüber, ob ein Eintrag in der Bewertung nach oben gehört.
Für Ihre Planung zählt die Struktur, nicht das Detail der Ursache. Entscheidend ist, dass es eine gemeinsame Schicht gab, deren Störung die Dienste darüber mitnahm. Ob es solche Schichten bei Ihren Anbietern gibt, ist die Frage, die Sie stellen können.
Was Sie jetzt klären können
Führen Sie in Ihrer Bestandsaufnahme die gemeinsamen Voraussetzungen als eigene Einträge: die Anmeldung, über die Ihre Dienste laufen, und alles, was an einer einzelnen Mailadresse hängt. Warum gerade solche Einträge leicht durchs Raster fallen, steht in Die eigenen digitalen Abhängigkeiten erfassen.
Stellen Sie im nächsten Bewertungstermin die Ausfallfrage für diese Gruppe von Diensten als Ganzes und nicht für jeden einzeln. Wie der Maßstab für den Ausfall arbeitet und wie Dienste bewertet werden, von denen viele andere abhängen, steht in Welche Abhängigkeit wirklich gefährlich ist.
Und klären Sie eine einzige praktische Frage vorab: Wie erreichen Sie Ihre Belegschaft, Ihre wichtigsten Kunden und Ihre Dienstleister, wenn Mail und Besprechungswerkzeug gleichzeitig ausfallen? Wer darauf eine Antwort hat, die nicht über dieselbe Anmeldung läuft, hat aus diesem Ausfall das Wichtigste mitgenommen.
Quellen
- BleepingComputer, Bericht „Massive Microsoft 365 outage causes auth issues, service failures“, fortgeschrieben bis 3. September 2026, https://www.bleepingcomputer.com/news/microsoft/microsoft-exchange-online-outage-causes-email-failures-auth-issues/. Mit wörtlichen Zitaten aus Microsofts Statusmeldungen. Zu Beginn, betroffenen Diensten und Kennungen (HF-C-203), zu Microsofts Angaben über die Ursache (HF-C-204), zum Verlauf der Wiederherstellung (HF-C-205).
- TechCrunch, „Microsoft 365 outage drags on, but things are improving“, 1. September 2026, https://techcrunch.com/2026/09/01/microsoft-365-outage-drags-on-but-things-are-improving/. Zu Microsofts Angabe einer gemeinsam genutzten Anmeldekonfiguration (HF-C-204) und dazu, dass ein abgelaufenes Zertifikat nicht bestätigt wurde (HF-C-206).
Stand der Quellenprüfung: 25. September 2026. Microsofts Statusmeldungen sind nur für angemeldete Administratoren einsehbar; zitiert wird deshalb über zwei Fachberichte, die sie wörtlich wiedergeben.

